Aus für die Gendergleichheits“forschung“ in Norwegen…

…in Telepolis bin ich über einen Link gestolpert, den ich für bemerkenswert halte:

http://www.youtube.com/watch?v=p5LRdW8xw70

Bemerkenswert deshalb, weil die dort verlinkte Reportage (mit größtenteils englischen Untertiteln) angeblich das Ende der Genderforschung in Norwegen bedeutet hat:

http://agensev.de/agens-meint/aus-fur-gender-2/

Die Reportage ist wirklich gut gemacht und erwischt die „alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind rein gesellschaftlich bedingt„-Fraktion quasi mit heruntergelassener Hose. Sie kann keinerlei relevante wissenschaftliche Studie vorlegen, qualifiziert aber seriöse biologische und psychologische Studien als „interessengetrieben“ und „unseriös“ ab. Köstlich diese Pseudoexperten derart vorgeführt zu sehen (sowas würde ich mir für die Neoklassiker wünschen *g*).

Fazit: Interessen-Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind (wie die meisten Eltern praktisch erfahren dürfen) in erster Linie evolutionäres biologisches Erbe, auch wenn eine nicht zu vernachlässigende kulturelle Komponente natürlich immer mitschwingt.

Und die Konsequenz? Da halte ich mich lieber zurück. Es ist vorhersehbar, dass einfacher gestrickte Gemüter sich jetzt zurücklehnen mit „ich wusste es immer, alles kann so bleiben wie es ist„.

Ich teile diese Meinung nämlich keinesfalls und die Reportage gibt das auch nicht her. Die Aussage „es ist unser evolutionäres Erbe, dass Frauen und Männer in ihrer Mehrheit Interessenunterschiede haben (Männer Technik/System, Frauen eher sozial/menschlich)“, sollte man durchaus auf die Goldwaage legen, sie sagt nämlich implizit auch (was dann gern hinten runter fällt):

1) es gibt auch Minderheiten die anders ticken

2) es gibt große Überlappungen

3) aus 1 und 2 folgt wiederrum: es ist richtig beiden Geschlechtern alle Chancen einzuräumen und es kann sich uU auch lohnen diese zu fördern oder Interesse für was neues/anderes zu wecken, wenn das z.B. wirtschaftlich Sinn macht (mehr Ing.-innen statt Sprachwissenschaftlerinnen) auch wenn der Erfolg überschaubar bleiben wird und man ein bisschen Druck rausnehmen kann (Quoten, girls days etc.)

4) man kann umgedreht nicht automatisch folgern, dass alles was bisher Männer/Frauendomäne war, es auch für alle Zeiten bleibt, da muss man schon die Umstände sehr genau anschauen (vergleiche historischen Frauenanteil in den Unis)

5) unterschiedliche Interessen bedeuten nicht zwangsweise auch unterschiedliche Fähigkeiten (wenn auch oft mehr Übung und Erfahrung im entsprechenden Bereich)

6) last not least: wir leben in der modernen arbeitsteiligen Vollerwerbsgesellschaft so gut wie gar nicht nach unserem evolutionären Erbe, der Status Quo ist also immer zu hinterfragen: Frauen an den Herd, Männer in die Firma? Das ist eine Erfindung der Neuzeit. Männer mögen öfter auf der Jagd oder im Kampf gewesen sein, aber ich behaupte mal: verglichen mit heutzutage waren sie stets integraler Bestandteil der Familie, wirkten als Rollenvorbilder und Erzieher usw. mit, während die Frauen mit Feld- und Sammelarbeit ebenso für die Ernährung sorgten. Es gibt eine Tendenz in der Rollenverteilung, aber die ist mitnichten so fix, wie viele das bequemerweise gerne hätten. Entscheidend ist, womit beide (und die Kinder) zufrieden sind.

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