Utopia3 – ausgeglichene Außenhandelsbilanz ohne Währungsspekulation

Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht.

Bei allen einigermaßen logisch denkenden und ökonomisch interessierten Menschen hat sich längst herumgesprochen: der Euro ist gescheitert. Der Grund ist der, dass die wirtschaftlich starken Staaten (z.B. Deutschland) die schwachen (z.B. die Südländer, Griechenland etc.) kaputt konkurrieren, die darauf hin ihre Kredite nicht mehr bedienen können usw.  Im Ggs. zu einer Firma ist ein Land aber eben nicht einfach so abzuwickeln, die Leute die da leben, haben schliesslich auch ein Recht auf eine befriedigende selbstbestimmte Existenz.

Die mediale Gehirnwäsche lässt jetzt viele Leute weise mit dem Kopf nicken und etwas äußern wie „ja die Globalisierung, dagegen kann man nichts machen“. Was natürlich hanebüchener unlogischer Unsinn ist, schon deshalb weil die Globalisierung aus nichts weiter wie Freihandelsabkommen besteht, die irgendwann einmal irgendwelche Politiker unterschrieben haben.

Aber zurück zum Thema, wie kann man das kaputt konkurrieren anderer Staaten verhindern? Bei Nationalstaaten mit eigener frei konvertierbarer (=am Finanzmarkt gehandelter) Währung ist das recht einfach, sie werten ihre eigene Währung ab, indem sie entsprechende Summen einer Devisenwährung kaufen und mit frisch gedrucktem Geld ihrer eigenen Währung bezahlen. Also z.B. druckt die Schweiz „Franken“ und kauft damit z.B.  „Euro“. Der Devisenmarkt sorgt dafür, dass sich der Wechselkurs Franken-Euro ändert, der Franken (weil weniger knapp) billiger wird, man bekommt also mehr Franken, wenn man einen Euro dagegen eintauscht. So geschehen in 2011:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,784597,00.html

Das führt dazu, dass die eigenen Produkte im Ausland billiger werden, für die Inländer werden Importwaren teurer. Die interne Produktion wird also angekurbelt, der Einkauf im Ausland gedrosselt.

DUMMERWEISE steht dieser Mechanismus allen Euro-Staaten nicht mehr offen, sie haben nur noch EINE Währung, die sowohl Binnen- wie auch Außenwährung (=Devise) ist. Sie können sich selbst also kein Geld drucken. Aber selbst wenn sie es könnten, ist der Devisen-/Finanzmarkt stark anfällig für Manipulationen. Auch dafür kann das obige Beispiel herhalten, die Schweiz hat nämlich Exportüberschüsse (exportiert mehr als sie importiert) die sie mit ihrer Manipulation erhalten will, ebenso wie China, welches auf diesem Weg Milliardenberge an Devisen angehäuft hat und ganze Länder deindustriealisiert. Denn ein Exportüberschuß bedeutet immer: ein anderes Land importiert mehr als es sollte und ruiniert sich damit seine Wirtschaft und Zahlungsfähigkeit.

Dieses Problem ist leider nicht neu. Keynes wusste darum und schlug im April 1943 den „Bancor“ vor:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bancor

Zitat: „Mit dem Ziel eines stabileren Welthandels- und Währungssystems waren Sanktionen für Länder, die ein dauerhaftes Bancor-Defizit ausweisen (beispielsweise in Form von Währungsabwertung, Kapitalkontrollen, Pfändung von Goldreserven) als auch für solche die permanente Überschüsse erzielen (z.B. Währungsaufwertung, Zwang zur internationalen Kreditvergabe) vorgesehen.“

Jetzt ratet mal was passierte:

„Die britischen Vorschläge unter der Führung Keynes’ wurden nicht umgesetzt. Im Rahmen der Konferenz von Bretton Woods wurde ein auf dem amerikanischen Entwurf von Harry Dexter White basierender Kompromiss mit einem Leitwährungssystem auf Basis eines goldgedeckten US-Dollar beschlossen.“

Natürlich gänzlich uneigennützig, vor allem wenn man weiß, dass damals die Amerikaner massive Exportüberschüsse hatten (lang, lang ist’s her).

Was lernen wir (mal wieder) daraus?: sinnvolle internationale Vereinbarungen kommen auch deshalb selten zustande, weil es immer Verlierer und Gewinnerstaaten gibt, die nicht mitspielen mögen.

Die Konsequenz kann m.E. nur sein, nach einer nationalen Lösung zu suchen. Im Zeitalter des Internets liegt die auch gar nicht so fern.

Verdeutlichen wir uns noch einmal: Importe und Exporte sollen ausgeglichen sein. Argentinien hat das Problem übrigens erfasst (auch wenn der ZEIT Artikel leider mal wieder nicht mit volkswirtschaftlichem Wissen glänzt):

„[…]Seit Kurzem müssen ausländische Unternehmen, die ihre Produkte in Argentinien verkaufen wollen, im Gegenzug argentinische Waren ins Ausland exportieren.“

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-04/argentinien-repsol-ypf

So funktioniert das also. Jetzt kenne ich die argentinische Lösung im Detail nicht, aber die Idee ist gut. Denn was machen die Firmen, wenn sie die Sachen nicht preisgerecht loswerden? Sie verramschen sie und schlagen die Kosten dafür auf ihre Produkte auf, die Folge: die Importe verteuern sich, während gleichzeitig inländische Produkte im Ausland verkauft werden! Und alles ganz ohne Geld drucken und Devisen/Finanzmarkt. Einfach und genial.

In diese Richtung müsste es also gehen. Allerdings ist eine Autofirma natürlich überfordert, wenn sie Abnehmer für Oliven finden soll, der Aufwand ist also höher und der Preis vermutlich niedriger als wünschenswert. Die Importe und Exporte müssen also voneinander entkoppelt werden.

Und DAS könnte man z.B. über ein Internetportal machen. Dort erwirbt ein interessierter Exporteur Exportrechte und ein Importeur Importrechte. Wird gleichviel importiert wie exportiert, gibts die Rechte kostenlos, wird mehr importiert, dann werden die Importrechte teurer und der Mehrpreis könnte z.B. dafür verwendet werden die Exporte zu bezuschussen und umgekehrt natürlich.

Wie zeitnah man das verrechnet, wie man die Überschüsse verwendet, wie die Art der Abrechnung aussieht etc., das müsste noch ausdiskutiert werden. Aber vom Prinzip her ist dieses Modell geeignet national ausgeglichene Außenhandelsbilanzen zu allen Handelspartnern zu erreichen. Ob die anderen das wollen oder nicht, spielt keine Rolle. Ob alle ringsum das auch praktizieren, ist auch egal, Verantwortung heißt manchmal eben auch vormachen und es heißt definitiv andere vor Schaden zu bewahren und natürlich sich selbst auch.

Umsetzen lässt sich die Sache vermutlich nur in einer ausgeglichenen Phase, wenn nicht mächtige Konzerne dagegen opponieren 🙂

 

 

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3 Antworten zu Utopia3 – ausgeglichene Außenhandelsbilanz ohne Währungsspekulation

  1. Tobias schreibt:

    Das Modell der ausgeglichenen Außenhandelsbilanz beruht auf dem Modell der kommunizierenden Röhren. Dieses hat so viel mit der realen Welt zu tun, wie Micky Maus.
    Wenn überhaupt, dann ist der Vergleich ein Wasserleitungsnetz einer Stadt.
    Das hier propagierte Modell wäre der sofortige Tod der deutschen Wirtschaft, welche ausschließlich durch Export leben kann. Beispiel: Es gibt eine Firma, welche Fischfiletierfabriken baut. Die macht nichts anderes, aber so gut, dass 80% aller Fischfabriken auf der Welt von ihr gebaut sind. Wieviele dieser Anlagen könnte sie wohl in Deutschland verkaufen?
    Dies ist kein extremes Einzelbeispiel, sondern exemplarisch für die deutsche Wirtschaft. Denn aufgrund der extrem hohen Löhne in Deutschland können ausschließlich spezialisierte Unternehmen überleben, welche durch ihre Spezialisierung so hochwertige Waren anbieten können, dass andere den sehr hohen Preis bereit sind zu bezahlen. Alle Unternehmen mit geringerer Spezialisierung wandern ins günstigere Ausland ab. je höher aber die Spezialisierung, desto kleiner wird der Markt. Wir am obigen Beispiel gezeigt, kann der Markt so klein werden, dass selbst weltweiter Vertrieb nur zu geringen Verkaufszahlen führt. Weil der Markt mit der Spezialisierung immer kleiner wird, muss das schrumpfen durch geografische Expansion kompensiert werden. Deshalb ist Deutschland Exportweltmeister! Aus absolut keinem anderen Grund!

    Und wenn dann noch behauptet wird, Deutschland hätte durch seine Exporte Griechenland ruiniert, dann ist dies an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten. Griechenland hat niemals etwas hergestellt, was mit deutschen Unternehmen in direkter Konkurrenz stehen würde. Aber genau dies ist das Problem: die haben eigentlich nie irgendetwas hergestellt. Und das bischen was sie hergestellt haben, ist entweder durch die Asiatische Konkurrenz pleite gegangen oder wurde von den Griechen selber ins billigere benachbarte Ausland verrlagert. Die Griechen sind die größten Investoren in Macedonien,…

    • natitoffe schreibt:

      „Das Modell der ausgeglichenen Außenhandelsbilanz beruht auf dem Modell der kommunizierenden Röhren.“

      Mein Modell? Ganz sicher nicht. Mein Modell basiert darauf diese Ausgeglichenheit durch entsprechende Abschlagszahlungen anzustreben. Wo du da Röhren siehst, müsstest du mal erläutern.

      „Das hier propagierte Modell wäre der sofortige Tod der deutschen Wirtschaft, welche ausschließlich durch Export leben kann.“

      Ja, wir werden alle sterben oder verarmen. Gäähhhn.

      Das ist ein Argument gegen ausgeglichene Außenhandelsbilanzen generell, nicht gegen mein Modell. Aber wir gehen schon darin überein, dass das dauerhafte Beliefern der restlichen Welt ohne entsprechende Waren-Gegenleistung nicht besonders intelligent ist?

      „Beispiel: Es gibt eine Firma, welche Fischfiletierfabriken baut. Die macht nichts anderes, aber so gut, dass 80% aller Fischfabriken auf der Welt von ihr gebaut sind.“

      Das ist unterkomplex und das weißt du. Eine Firma verkauft immer über Preis-Leistung. Steigt der Preis, ohne dass steigende Leistung die Investition nennenswert lohnender macht, dann werden die potentiellen Käufer sich nach einer Alternative umsehen, notfalls werden sie diese selbst entwickeln. Das haben die Deutschen übrigens auch gemacht: sie haben britische Waren kopiert und diese dann weiterentwickelt, dann haben die Japaner das mit Erfolg gemacht und gerade eben machen es die Chinesen. Was du willst, ist die Erhaltung eines Monopols und die Erhaltung der Abhängigkeit der restlichen Welt von der „deutschen“ (aber eigentlich längst globalisierten) Wirtschaft.

      Davon ab: wenn die Fischfabriken wirklich so gut sind, werden sie auch zukünftig und zu einem höheren Preis abgesetzt, nur dass das Volk dann auch was davon hat, weil im Gegenzug Importe erzwungen werden. Du hast in Wirklichkeit Angst, dass die Waren gar nicht sooo überlegen sind, wie es sich die Deutschen in ihrer unerträglichen Selbstgerechtigkeit gern einreden.

      „Wieviele dieser Anlagen könnte sie wohl in Deutschland verkaufen?“

      Der Preis fürs Ausland wird erhöht, wie oben schon dargelegt, muss das nicht zu einem Umsatzeinbruch führen. Ich gebe dir recht, wenn du befürchtest, dass es zu einer Umstrukturierung zwischen Export-, Import und Binnenwirtschaft kommt und dass es durchaus sein kann, dass dadurch Deutsche (zumindest zeitweise) ihren Job verlieren. Im Rest der Welt nehmen wir diese menschenverachtende Marktlogik ja auch hin, weil wir uns zu den Gewinnern zählen, verlogene unmoralische Scheiße.

      Da ich das nicht will, sollte man eine solche Massnahme also nie separat betrachten. Wenn du meinen Blog liest, wirst du auch auf Lösungsvorschläge zur einseitigen Wachstums- und Jobfixierung lesen können: https://langweilerblog.wordpress.com/2012/06/19/utopia4-vollbeschaftigung-zweiter-anlauf/

      Aber ich bin offen für bessere Vorschläge, solange sie einigermaßen durchdacht sind.


      „Denn aufgrund der extrem hohen Löhne in Deutschland können ausschließlich spezialisierte Unternehmen überleben, welche durch ihre Spezialisierung so hochwertige Waren anbieten können, dass andere den sehr hohen Preis bereit sind zu bezahlen.“

      Dann verstehe ich dein Problem nicht, erhöhen wir den Preis doch noch ein bisschen. Mal sehen wieviel dem Ausland unsere Super-Duper-Spezial-Ohne-Vergleich-Überlegenheitswaren wert sind, nicht?

      „exemplarisch für die deutsche Wirtschaft“

      Der größte Exportzweig ist, ähm, die deutsche Autoindustrie? Wirklich sehr sehr spezialisiert.

      „Wir am obigen Beispiel gezeigt, kann der Markt so klein werden, dass selbst weltweiter Vertrieb nur zu geringen Verkaufszahlen führt. Weil der Markt mit der Spezialisierung immer kleiner wird, muss das schrumpfen durch geografische Expansion kompensiert werden. Deshalb ist Deutschland Exportweltmeister! Aus absolut keinem anderen Grund!“

      Lassen wir das mal so stehen und kehren wir zum Thema zurück, den Exportüberschüssen. Exportüberschüsse heißen nämlich nicht: „wir exportieren viel“, sondern „wir exportieren viel und importieren zu wenig“. Das ist der Knackpunkt, denn es ruiniert andere Volkswirtschaften und damit auch unsere Abnehmer und letztlich uns selbst, weil von uns verliehenes Geld nicht mehr zurückgezahlt werden kann. Wo ist deine Lösung für dieses Problem?


      „Und wenn dann noch behauptet wird, Deutschland hätte durch seine Exporte Griechenland ruiniert, dann ist dies an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten. Griechenland hat niemals etwas hergestellt, was mit deutschen Unternehmen in direkter Konkurrenz stehen würde. Aber genau dies ist das Problem: die haben eigentlich nie irgendetwas hergestellt. Und das bischen was sie hergestellt haben, ist entweder durch die Asiatische Konkurrenz pleite gegangen oder wurde von den Griechen selber ins billigere benachbarte Ausland verrlagert. Die Griechen sind die größten Investoren in Macedonien,…“

      Griechenland wurde nicht von D ruiniert, sondern von D und dem Euro-System. Ein System in dem jemand wenig liefert, aber trotzdem viel kaufen kann (z.B. deutsche Waren mit deutschen Krediten), kann nicht dauerhaft funktionieren, nicht? Es ist logisch unmöglich. Genau das forderst du aber, wenn du die Sinnhaftigkeit ausgeglichener Außenhandelsbilanzen in Frage stellst.

  2. Pingback: Der Euro ist nicht tot, er riecht nur komisch… | langweilerblog

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